Mit diesem Projekt wäre auch eine spürbare
Entlastung der GÜST Drewitz eingetreten, da prognostisch ca. 30 - 35 %
des Verkehrs über diese neu zu errichtende GÜST abgefertigt werden
konnte, was dem damaligen Verkehrsaufkommen der GÜST Stolpe entsprochen
hätte. Ein voraussichtlich errechnetes jährliches Verkehrsaufkommen
für die gesamte Ein- und Ausreise ergab:
Einreise : ca. 2.225.000 PKW und ca. 374.000 LKW
Ausreise: ca. 2.710.000 PKW und ca. 425.000 LKW
Es konnte bei den Planungsarbeiten des Arbeitsbereiches
Passkontrolle auf der Grundlage fortgeschrittener Erkenntnisse der Einführung
von Computer- Technik an der GÜST Drewitz auf völlig neue Varianten
bei der Projektierung und dem Bau der Abfertigungsanlagen sowie dem Kräfteeinsatz
zurückgegriffen werden. Angedacht waren stündliche Abfertigungsleistungen
von ca. 1.500 KfZ bei der Einreise aus Berlin (West). Für die Passkontrolleinheit
hätte dies einen Kräftebedarf von ca. 184 Mitarbeitern, aber entsprechend
der Größenordnung der PKE Stolpe 20 Angehörige weniger, bedeutet.
Allein die Bereitstellung der erforderlichen Führungskader bedeutete einen
starken Eingriff in die Kräftesubstanz des Arbeitsbereiches Passkontrolle
im Bezirk Potsdam. Aber Befehl war Befehl, auch dieser Auftrag war zu übernehmen
und zu bewältigen. War es doch ein gesamtgesellschaftliches, sprich gesamtdeutsches
Unternehmen. Auf den Kräftebedarf von Zoll, der Grenztruppen, der Wechselstelle
der Staatsbank, des Grenzveterinärdienstes, des DRK, der Bezirksdirektion
Straßenwesen, der Deutschen Post und Intershop sei hier nicht eingegangen.
Es ergab sich dadurch für die DDR erneut die Möglichkeit, die genannte
Summe in West- Währung einzunehmen, aber DDR- Währung für die
Baumaßnahmen einzusetzen. Jedoch hätten alle Begleiterscheinungen
wie Wohnungsbau, Arbeitsplätze für die Ehefrauen, Kinderkrippen/ Kindergarten,
Schulplätze für die Kinder, notwendige Dienstleistungskapazitäten,
medizinische Betreuung sowie die Arbeitplatzversorgung, alles nach DDR- Standard,
eine Vielzahl weiterer Probleme mit sich gebracht. Für die DDR war dies
zu dieser Zeit ein schon schwieriges Unterfangen, wäre in der gewünschten
bzw. erforderlichen Größenordnung ohne Einschnitte in anderen Bereichen
der Volkswirtschaft sehr schwer zu realisieren gewesen.
Die DDR- Führung ging nun davon aus, dass der jetzt angedachte Standort
weitgehend den Vorstellungen des WB- Senats nach einem Übergang entsprochen
hätte. Diese Sachlage konnte auch seitens der DDR voll ausgenutzt werden,
um dies gegenüber dem Westberliner Senat als ein außerordentliches
Entgegenkommen der DDR darzulegen.
Nachstehender Artikel einer DDR- Zeitung, des Neuen Deutschland vom 15. September
1988, erläutert den Inhalt der Vereinbarungen zwischen der DDR und der
BRD.
Ergänzung vom 05. September 2004:
Das Vorhaben des Neubau der GÜST Großbeeren fand im Gespräch
von Egon Krenz und Hans Modrow mit Kanzleramtsminister Rudolf Seiters am 20.
November 1989 seinen Abschluss. Der siebenseitige Bericht über dieses Gespräch
führt dazu folgendes aus:
„Im Zusammenhang mit den am 05. 10. 1988 getroffenen Regelungen und Vereinbarungen
zur Transitpauschale für den Zeitraum 1990- 1999 sei vereinbart worden, im Raum
Großbeeren eine neue Grenzübergangsstelle zu Berlin (West) zu errichten und
ab 01. 01. 1994 für alle Verkehrsarten zu öffnen. Da die DDR mit den Vorbereitungsarbeiten
begonnen habe, ist eine definitive Entscheidung der BRD- Regierung kurzfristig
erforderlich, ob sie weiter zu dieser Vereinbarung stehe und die Grenzübergangsstelle
gebaut werden solle. Gegenwärtig würden zunehmend Vorstellungen geäußert, unter
der neuen Lage und dem Bestehen einer Vielzahl neuer Grenzübergangsstellen auf
diesen vereinbarten neuen Übergang zu verzichten. (320 : Durch die weitere Entwicklung
wurde der Grenzübergang überflüssig)“
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